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Pflanzenprofil

Kümmel

Carum carvi

Apiaceae

Kümmel (Carum carvi) ist eine in Europa heimische Heilpflanze aus der Familie der Doldenblütler, die traditionell bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt wird. Die ätherischen Öle der Früchte – vor allem Carvon und Limonen – werden in der Literatur als krampflösend und blähungswidrig beschrieben. In der Phytotherapie wird Kümmel traditionell bei Blähungen, Völlegefühl und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden genutzt.


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Blähungen, Völlegefühl, Magen-Darm-Krämpfe, Verdauungsschwäche, Koliken, Appetitlosigkeit

VerdauungsbeschwerdenBlähungenKrämpfeKolikenAppetitlosigkeitVöllegefühl

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl (CarvonLimonen)FettsäurenFlavonoideGerbstoffePolysaccharide

Zubereitungsformen

TeeÄtherisches ÖlTinkturKapsel

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
ModeratAntituberkulotikumHemmung des intestinalen P-gp-Efflux-Transporters durch Extrakte/Isolate von Carum carvi erhöht Rifampicin-Absorption.Kombination mit Vorsicht; klinische Überwachung auf verstärkte Rifampicin-Wirkung oder Nebenwirkungen empfohlen.
TheoretischTerbinafinPharmakodynamische Synergie in vitro; FICI-Werte 0,26–0,31 gegen T. rubrum (Checkerboard-Methode)Rein In-vitro-Befund; keine klinische Handlungsempfehlung ableitbar
TheoretischCholinesterase-Inhibitoren (z.B. Donepezil, Rivastigmin)In-vitro-AChE-Hemmung durch C. carvi EO (IC50 0,82 mg/mL); additiver Effekt bei gleichzeitiger Einnahme möglichRein In-vitro-Befund; klinische Relevanz unklar – bei gleichzeitiger Anwendung Vorsicht und ärztliche Rücksprache
TheoretischAnticholinergikaAChE-Hemmung durch das EO kann die antagonistische Wirkung anticholinerger Arzneimittel theoretisch abschwächenNur In-vitro-Daten; klinische Relevanz unbekannt – bei Bedarf Rücksprache mit Arzt
TheoretischAlpha-Glucosidase-Inhibitoren / AntidiabetikaIn-vitro-α-Glucosidase-Hemmung der EO-Mischung (IC50 0,75 mg/mL) vergleichbar mit Acarbose; additiver Effekt möglichRein In-vitro-Befund; Blutzucker bei gleichzeitiger Anwendung von EO-Präparaten und Antidiabetika engmaschig überwachen
TheoretischAntituberkulotikumCC-1a (butanolische Fraktion aus Kümmel) steigert intestinale Permeation und erhöht Resorption im DünndarmKombination meiden bis klinische Humanstudien vorliegen; Tiermodell-Befund, klinische Relevanz unklar
TheoretischAntituberkulotikumCC-1a (butanolische Fraktion aus Kümmel) steigert intestinale Permeation und erhöht Resorption im DünndarmKombination meiden bis klinische Humanstudien vorliegen; Tiermodell-Befund, klinische Relevanz unklar
TheoretischAntituberkulotikumCC-1a (butanolische Fraktion aus Kümmel) steigert intestinale Permeation und erhöht Resorption im DünndarmKombination meiden bis klinische Humanstudien vorliegen; Tiermodell-Befund, klinische Relevanz unklar
TheoretischCYP1A1-SubstrateKümmelextrakt hemmt CYP1A1-Enzymaktivität und mRNA-Expression dosisabhängig in vitro (In-vitro-Studie, Rattenhepatom-Zellen).Rein theoretisch; keine klinische Relevanz belegt. Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von CYP1A1-Substraten bis klinische Daten vorliegen.
ModeratAntituberkulotikumCarum carvi als Bioverstärker beeinflusst Resorption/Pharmakokinetik von IsoniazidKombination mit Antituberkulotika nur unter ärztlicher Ueberwachung; Pharmakokinetik-Monitoring empfohlen
ModeratAntituberkulotikumCarum carvi als Bioverstärker beeinflusst Resorption/Pharmakokinetik von PyrazinamidKombination mit Antituberkulotika nur unter ärztlicher Ueberwachung; Pharmakokinetik-Monitoring empfohlen
ModeratAntituberkulotikumCarum carvi als Bioverstärker beeinflusst Resorption/Pharmakokinetik von Rifampicin (möglicherweise P-gp-Hemmung oder erhöhte Membranpermeabilitaet)Kombination mit Antituberkulotika nur unter ärztlicher Ueberwachung; Pharmakokinetik-Monitoring empfohlen

Verwechslungsgefahr

Als Wildpflanze kann Kümmel mit anderen Doldenblütlern verwechselt werden, insbesondere mit dem giftigen Gefleckten Schierling (Conium maculatum) und der Hundspetersilie (Aethusa cynapium). Eine weitere, harmlosere Verwechslung ist mit dem Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris) möglich.

Geschichte & Tradition

Kümmel gehört zu den ältesten Nutzpflanzen Europas; archäologische Funde aus der Jungsteinzeit belegen seinen Gebrauch seit über 5000 Jahren. In der antiken Heilkunde wurde er von Hippokrates und Dioskurides als Verdauungsmittel beschrieben. Im europäischen Mittelalter fand er Eingang in Klostergärten und in die medizinischen Schriften Hildegards von Bingen. Bis heute zählt Kümmel in der deutschen Volksmedizin zu den bekanntesten Hausmitteln gegen Blähungen und funktionelle Magenbeschwerden.

Saison und Sammeln

Wildkraut

Diese Pflanze wächst wild und kann gesammelt werden. Bitte nur an sicheren, unbelasteten Standorten ernten.

Blütezeit: Mai, Juni, Juli

Erntezeit: Juli, August

Pflanzenbild

Kümmel

© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain

Sicherheitshinweise

Bei Allergie gegen Doldenblütler meiden. Medizinische Dosen in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Kinder unter 1 Jahr: kein ätherisches Öl.

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderUnbekannt
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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