Pflanzenprofil
Schwarzer Holunder
Weit verbreiteter Strauch; Blüten und reife Beeren werden traditionell verwendet.
Kein Ersatz für ärztliche Beratung
Traditionelle Anwendung
Erkältung, Fieber, Schwitzkuren.
Inhaltsstoffe
Zubereitungsformen
Dosierung und Zubereitung
Verwendete Pflanzenteile: Früchte (getrocknete und frische, reife Beeren; Droge: Sambuci fructus)
Als Tee (Aufguss/Abkochung): 1 Teelöffel (ca. 3,2 g) getrocknete Früchte pro Tasse, mehrmals täglich (Bisset & Wichtl 2001; Wichtl 2004). Einzeldosis als Abkochung: 2 g Droge (Czech National Norm 1958). Als Saft: 20 g eingedickt täglich (Madaus 1938). Kombinationsextrakt (Polen): Erwachsene bis zu 3x täglich 5 ml; Jugendliche 14–18 Jahre bis zu 3x täglich 2,5 ml. Hinweis der EMA-Assessoren: Keine der aufgeführten Zubereitungen erfüllt die Anforderungen für eine Community-Monographie, da einheitliche Tagesposologie, definierte Stärke und Reproduzierbarkeit fehlen.
Wechselwirkungen
| Schweregrad | Medikament / Wirkstoffklasse | Mechanismus | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Theoretisch | Testosteron (exogen) | Sambucus-Extrakt erhöht endogene Testosteronsynthese via 3β-HSD/CYP17A1/17β-HSD-Hochregulation und hemmt Abbau (5α-Reduktase/CYP19A1) | Kombination vermeiden bis klinische Daten vorliegen; Testosteronspiegel überwachen |
| Theoretisch | 5α-Reduktase-Hemmer (z.B. Finasterid, Dutasterid) | Extrakt hemmt 5α-Reduktase; additiver Effekt mit pharmakologischen 5α-Reduktase-Hemmern möglich | Kombination theoretisch problematisch; klinische Relevanz ungeklärt |
| Theoretisch | Aromatasehemmer (z.B. Anastrozol, Letrozol) | Extrakt hemmt CYP19A1 (Aromatase); mögliche Additivität mit pharmakologischen Aromatasehemmern | Kombination theoretisch riskant; klinische Relevanz ungeklärt |
| Theoretisch | Biguanid (Antidiabetikum) | Polyphenole (inkl. Sambucus nigra) modulieren AMPK-Signalweg synergistisch mit Metformin; verstärkte Glukoseaufnahme und Lipidstoffwechselregulation. | Nur präklinische Daten (in vitro/in vivo); bei Kombination Blutzucker engmaschig überwachen. Klinische Validierung ausstehend. |
| Theoretisch | Aromatase-Inhibitoren (z.B. Anastrozol, Letrozol, Exemestan) | Holunderbeer-Extrakt reduziert CYP19A1-mRNA/Protein (Aromatase) in vitro – additiver Effekt mit pharmakologischen Aromatase-Inhibitoren möglich. | Rein theoretischer Befund aus In-vitro-Studie; keine klinische Handlungsempfehlung ableitbar. |
| Theoretisch | Testosteron-Ersatztherapie (TRT) | Extrakt steigert Steroidogenese-Enzyme (StAR, CYP11A1, CYP17A1, 3β-HSD, 17β-HSD) in H2O2-behandelten Leydig-Zellen in vitro. | Nur In-vitro-Daten; keine klinische Empfehlung. Verlauf bei TRT-Patienten nicht extrapolierbar. |
Verwechslungsgefahr
Eine Verwechslung ist möglich mit dem Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus), der als krautige Pflanze wächst und dessen Beeren stark giftig sind; er riecht intensiv unangenehm und besitzt keine verholzte Basis. Seltener kommt eine Verwechslung mit dem Roten Holunder (Sambucus racemosa) vor, dessen rote Beeren im rohen Zustand ebenfalls unverträglich sind.
Geschichte & Tradition
Sambucus nigra gehört zu den ältesten Heilpflanzen Europas; archäologische Funde belegen eine Nutzung seit der Steinzeit. Im mittelalterlichen Kräuterwesen galt der Holunder als "Hausapotheke des kleinen Mannes" und wurde gegen Erkältungen, Fieber und Wassersucht eingesetzt. Paracelsus und Hieronymus Bock beschrieben die schweißtreibenden und abführenden Eigenschaften der Blüten und Beeren. In der europäischen Volksmedizin ist die Verwendung von Blütenaufgüssen bei Erkältungskrankheiten bis heute lebendig.
Evidenzlage
Gut belegtPflanzenbild
© Willow · CC BY 2.5
Sicherheitshinweise
Rohe Beeren und alle grünen Pflanzenteile sind giftig; nur erhitzt verwenden.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegenüber Inhaltsstoffen (identifiziertes Allergen Sam n 1; Lectine können Histaminfreisetzung auslösen). Unreife Beeren sind wegen toxischer cyanogener Glykoside zu meiden. Bei Langzeitanwendung Risiko für Elektrolyt- und Wasserhaushaltsstörungen sowie Kaliumverlust.
| Schwangerschaft | Unbekannt |
| Stillzeit | Unbekannt |
| Kinder | Unbekannt |
| Blutverdünner | Unbekannt |
| Vor Operationen | Unbekannt |
| Lebererkrankung | Unbekannt |
| Nierenerkrankung | Unbekannt |
| Autoimmunerkrankung | Unbekannt |
| Bluthochdruck | Unbekannt |
| Empfindlicher Magen | Vorsicht |
Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.