Luavera

Pflanzenprofil

Brennnessel

Urtica dioica

Urticaceae

Die Brennnessel ist eine der vielseitigsten Heilpflanzen Europas und wird traditionell bei Harnwegserkrankungen, rheumatischen Beschwerden und Prostatabeschwerden genutzt. Blätter und Wurzeln enthalten Flavonoide, Mineralstoffe und Lektine, denen in der Literatur anti-entzündliche und harntreibende Effekte zugeschrieben werden. Als Nahrungsmittel liefert sie zudem Eisen, Kalzium und Vitamin C.


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Harnwegsinfekte, Prostatabeschwerden, Rheuma, Arthritis, Eisenmangel, Frühjahrskur, Diuretikum, Hautpflege

AllergienRheumaEisenEntzündungenProstataGelenk- & RheumaschmerzenEntgiftungHarnwege & Blase

Inhaltsstoffe

Flavonoide (QuercetinRutinKaempferol)Mineralstoffe (EisenKalziumKaliumMagnesium)KieselsäureLektine (UDA – Urtica dioica Agglutinin)Phenolsäurenβ-Sitosterin (vor allem in der Wurzel)ChlorophyllGerbstoffeVitamine C und B-Vitamine

Zubereitungsformen

TeeTinkturKapselPulverStandardisierter Extrakt

Dosierung und Zubereitung

Verwendete Pflanzenteile: Getrocknete Wurzeln und Rhizome

Erwachsene (täglich): 4–6 g Rohdroge als Aufguss; oder 600–1200 mg getrockneter 20%iger Methanolextrakt (5:1); oder 1,5–7,5 ml 45%iger Ethanolextrakt (1:1); oder 5 ml 40%iger Ethanolextrakt (1:5). Darreichungsformen: Aufguss oder hydroalkoholische Extrakte.

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
TheoretischAmphotericin BSynergistische Hemmung von C.-albicans-Wachstum und Virulenzfaktoren (Biofilm, Hyphen, Enzyme) durch Kombination von U.-dioica-Öl mit Amphotericin B in vitro.Rein in-vitro-Befund; keine klinische Evidenz. Keine Dosisanpassung ohne kontrollierte Studien vornehmen.
TheoretischAmphotericin BSynergistische antifungale Wirkung: U. dioica-Öl und Amphotericin B hemmen gemeinsam C. albicans-Virulenzfaktoren additiv/synergistisch (In vitro).Rein theoretischer In-vitro-Befund; keine klinische Empfehlung ableitbar. Weitere Studien erforderlich.
TheoretischAntidiabetika (Insulin, Metformin, SGLT2-Inhibitoren)Urtica dioica reduziert Glukoseabsorption im Darm (Enteroid-Modell, Maus)Blutzucker engmaschig kontrollieren; rein tierexperimenteller Befund, keine Humandaten
TheoretischImmunsuppressiva (Cyclosporin, Tacrolimus, Corticosteroide)Urtica dioica aktiviert Tregs, reduziert IL-6, IFN-γ, TNF-α im Darm (Mausmodell)Klinische Relevanz unklar; bei Transplantations- oder Autoimmunpatienten Vorsicht geboten
TheoretischFettlösliche Arzneistoffe / Vitamine (z.B. fettlösliche Vitaminen A, D, E, K; Ciclosporin oral)CD36-Downregulation und reduzierte Fettsäureabsorption in Enteroiden (In-vitro-Befund)Nur In-vitro-Daten; klinische Bedeutung nicht belegt; ggf. Resorptionsmonitoring bei kritischen Arzneistoffen
TheoretischAntidiabetika (Alpha-Glucosidase-Inhibitoren, z.B. Acarbose)Urtica-dioica-Extrakt hemmt α-Amylase und α-Glucosidase in vitro; additiver Effekt mit gleicher Wirkklasse möglichNur In-vitro-Daten; klinische Relevanz nicht belegt. Monitoring bei Kombination empfohlen.
TheoretischAntidiabetika allgemeinDosisabhängige Hemmung von α-Amylase und α-Glucosidase durch Pflanzenextrakt; Wirkstoff 2R-Acetoxymethyl-Cyclohexanol als potenter Inhibitor identifiziertRein theoretisch basierend auf In-vitro- und Molecular-Docking-Daten; keine klinischen Studien.
TheoretischCYP3A4-SubstrateABS (enthält U. dioica) moduliert CYP3A4-Expression in HepG2-Zellen (In-vitro)Nur In-vitro-Befund; klinische Relevanz ungeklärt; bei CYP3A4-Substraten Vorsicht
TheoretischCYP1A1/1A2-SubstrateABS moduliert CYP1A1/1A2-Expression in HepG2-Zellen (In-vitro)Nur In-vitro-Befund; klinische Relevanz ungeklärt
TheoretischCYP2E1-SubstrateABS moduliert CYP2E1-Expression in HepG2-Zellen (In-vitro)Nur In-vitro-Befund; klinische Relevanz ungeklärt

Verwechslungsgefahr

Im frühen Austrieb können junge Brennnesselrosetten mit der nicht brennenden Weißen Taubnessel (Lamium album) verwechselt werden, die jedoch keinerlei Brennhaare aufweist. Die Kleine Brennnessel (Urtica urens) sieht der Großen sehr ähnlich, ist jedoch einjährig und kleiner; phytotherapeutisch werden beide Arten teilweise synonym verwendet.

Geschichte & Tradition

Die Brennnessel wird seit der Antike medizinisch genutzt; bereits Dioskurides beschrieb in der Fachliteratur ihre harntreibenden Eigenschaften und traditionelle Anwendungen bei entzündlichen Zuständen. Im Mittelalter war sie sowohl als Heilmittel als auch als Nahrungspflanze und Textilfaser (Nesselleinen) weit verbreitet. Die Volksmedizin Mitteleuropas beschrieb traditionelle Anwendungen von Blättern und Wurzeln bei Rheuma, Gicht und Harnwegserkrankungen. Seit dem 20. Jahrhundert ist die Wurzel Gegenstand wissenschaftlicher Forschung zu ihren traditionellen Anwendungen.

Saison und Sammeln

Wildkraut

Diese Pflanze wächst wild und kann gesammelt werden. Bitte nur an sicheren, unbelasteten Standorten ernten.

Blütezeit: Juni, Juli, August, September

Erntezeit: März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober

Evidenzlage

Gut belegt

Pflanzenbild

Brennnessel

© Evelyn Simak · CC BY-SA 2.0

Quellen

  1. WHO Monographs on Selected Medicinal Plants — Volume 2, World Health Organization [Link]

Sicherheitshinweise

Frische Pflanze verursacht Hautreizungen. Vorsicht bei Ödemen durch Herz-/Niereninsuffizienz. Wechselwirkungen mit Blutverdünnern möglich.

Gegenanzeigen: Bekannte Überempfindlichkeit gegen Pflanzen der Familie Urticaceae. Anwendung in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kindern unter 12 Jahren ist kontraindiziert (aufgrund von Effekten auf den Androgen- und Östrogenstoffwechsel).

SchwangerschaftMeiden
StillzeitMeiden
KinderMeiden
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenVorsicht

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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