Luavera

Pflanzenprofil

Gewöhnliche Rosskastanie

Aesculus hippocastanum

Sapindaceae

Chronische Venenschwäche, Krampfadern, Beinödeme, Schweregefühl in den Beinen, Hämorrhoiden, Kreislaufstörungen


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Chronische Venenschwäche, Krampfadern, Beinödeme, Schweregefühl in den Beinen, Hämorrhoiden, Kreislaufstörungen

KreislaufVenenschwächeBeinödemeHämorrhoidenDurchblutung

Inhaltsstoffe

Triterpensaponine (Aescin)Cumarine (AesculinFraxin)Flavonoide (QuercetinKaempferol)GerbstoffeFettsäuren

Zubereitungsformen

Standardisierter ExtraktTinkturSalbeKapselTablette

Dosierung und Zubereitung

Verwendete Pflanzenteile: Samen (ganz oder fragmentiert, getrocknet, reif; Ph. Eur. Monographie 1830)

Well-established Use (oral, Erwachsene): 50 mg Triterpenglykoside (berechnet als Aescin) 2x täglich als Retardkapsel oder magensaftresistente Tablette; alternativ 40 mg 3x täglich als Weichkapsel (Tagesdosis 120 mg Aescin). Langzeitanwendung nach ärztlicher Rücksprache möglich. Traditionelle Anwendung (topisch): Cremes/Gele 1–3x täglich dünn auf die betroffene Hautfläche auftragen; kutane TU-Produkte für Personen ≥12 Jahre. Traditionelle orale Formen: 1x täglich 1 Tablette (71,43 mg Trockenextrakt) über 2–4 Wochen.

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
TheoretischTemozolomidHCE hemmt Wnt/β-Catenin-Signalweg, reduziert Tumor-Stemness und potenziert TMZ-Zytotoxizität in vitroRein experimentelle In-vitro-Befunde; keine klinische Empfehlung ableitbar
TheoretischResveratrolResveratrol wird an AgNP-Oberfläche gebunden und pH-abhängig freigesetzt (45,6% bei pH 5,2 vs. physiolog. pH 7,4)Nur In-vitro-Daten; keine klinische Relevanz belegt. Kombination nicht für therapeutischen Einsatz empfohlen ohne weitere Studien
TheoretischNystatinβ-Aescin in sub-inhibitorischer Konzentration senkt die MHK von Nystatin um das 2–16-fache (In-vitro-Synergismus)Rein In-vitro-Befund; keine klinische Relevanz belegt. Bei Kombination Vorsicht und weitere Studien abwarten.
TheoretischTriamcinolon-AcetonidPharmakodynamische Synergie: Escin und Triamcinolon-Acetonid erhöhen gemeinsam die Occludin-Expression an der Blut-Retina-Schranke.Nur Tiermodell (Ratte). Klinische Relevanz unklar; Kombination könnte GC-Dosisreduktion bei Makulaödem ermöglichen – weitere Studien nötig.
TheoretischTemozolomidHCE hemmt Wnt/β-Catenin-Signalweg, reduziert Tumorstammzell-Marker und erhöht Apoptose; synergistischer Effekt mit TMZ in vitro.Nur In-vitro-Befund; keine klinische Empfehlung ableitbar. Klinische Studien erforderlich.
TheoretischNystatinβ-Aescin in sub-MIK-Konzentration erhöht die Membranpermeabilität von Candida glabrata und potenziert so die Nystatin-Wirkung (additiver Effekt).Klinische Relevanz nicht belegt; keine Dosisanpassung ableitbar. Nur theoretische Interaktion aus In-vitro-Daten.
TheoretischCYP1A2-Substrate (z.B. Theophyllin, Clozapin)Aescin moduliert möglicherweise CYP1A2-Aktivität und -mRNA-Expression in RattenTierstudie; klinische Relevanz beim Menschen nicht belegt
TheoretischCYP2C9-Substrate (z.B. Warfarin, Phenytoin, NSAIDs)Aescin moduliert möglicherweise CYP2C9-Aktivität und -mRNA-Expression in RattenTierstudie; klinische Relevanz beim Menschen nicht belegt
TheoretischCYP2E1-Substrate (z.B. Paracetamol, Ethanol)Aescin moduliert möglicherweise CYP2E1-Aktivität und -mRNA-Expression in RattenTierstudie; klinische Relevanz beim Menschen nicht belegt
TheoretischCYP3A4-Substrate (z.B. Ciclosporin, Statine, Benzodiazepine)Aescin moduliert möglicherweise CYP3A4-Aktivität und -mRNA-Expression in RattenTierstudie; klinische Relevanz beim Menschen nicht belegt
TheoretischTriamcinolon AcetonidSynergistische Verstärkung der anti-ödematösen Wirkung; Hochregulation von Occludin an der Blut-Retina-SchrankeKombination könnte GC-Dosisreduktion bei Makulaödem ermöglichen; bisher nur Tiermodell, klinische Daten fehlen
TheoretischGlukokortikoidEscin synergisiert mit Glukokortikoiden; Kombination suboptimaler Konzentrationen hemmt NO, TNF-α und IL-1β stärker als jede Substanz allein.Klinische Daten fehlen; bei Komedikation Beobachtung auf verstärkte Glukokortikoideffekte; mögliche Dosisanpassung diskutieren.
Theoretisch5-HT2A-RezeptorantagonistRosskastanie kontrahiert Gefäße über 5-HT2A-Rezeptoren; Ketanserin blockiert diese Rezeptoren und hemmt den Effekt.Klinische Relevanz ungeklärt; Autoren empfehlen weitere Untersuchungen zu Wechselwirkungen und unerwünschten Wirkungen.
TheoretischAntidiabetika (Insulin, orale Hypoglykämika)Escine Ia, Ib, IIa, IIb zeigten im oralen Glukosetoleranztest bei Ratten hypoglykämische Aktivität.Blutzucker engmaschig überwachen; Befunde nur aus Tiermodell, klinische Relevanz unklar.
TheoretischEscine Ia, Ib, IIa, IIb hemmten im Tiermodell die intestinale Ethanolresorption.Klinische Relevanz nicht belegt; nur Tierversuchsdaten vorhanden.

Verwechslungsgefahr

Die Früchte der Rosskastanie können mit denen der essbaren Edelkastanie (Castanea sativa) verwechselt werden, obwohl beide Arten botanisch nicht näher verwandt sind; die Früchte der Rosskastanie sind für den Menschen giftig und nicht zum Verzehr geeignet. Eine Verwechslung mit der Rotblühenden Rosskastanie (Aesculus × carnea) ist botanisch möglich, pharmacognostisch jedoch weniger relevant, da diese als Zierpflanze ohne medizinische Verwendung gilt.

Geschichte & Tradition

Die Rosskastanie stammt ursprünglich aus dem Balkan und den Gebirgen Südosteuropas und wurde im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa eingeführt, zunächst als Zier- und Parkbaum. In der Volksmedizin wurden die Samen bei Venenerkrankungen, Hämorrhoiden und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Im 20. Jahrhundert gelang die Isolierung und Charakterisierung des Saponinkomplexes Aescin, der zur pharmakologischen Grundlage standardisierter Phytopharmaka wurde. Heute gehören Rosskastaniensamen-Extrakte zu den meistverwendeten pflanzlichen Mitteln bei chronischer Veneninsuffizienz.

Saison und Sammeln

Blütezeit: Mai

Erntezeit: September, Oktober

Evidenzlage

Gut belegt

Pflanzenbild

Gewöhnliche Rosskastanie

© User:Kilom691 · Public domain

Quellen

  1. EMA HMPC Assessment: Hippocastani cortex, European Medicines Agency [Link]
  2. EMA HMPC Assessment: Hippocastani semen, European Medicines Agency [Link]

Sicherheitshinweise

Rohe Früchte und Rinde sind giftig; nicht bei Leber-/Nierenerkrankungen; Wechselwirkungen mit Blutverdünnern möglich.

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderUnbekannt
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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