Pflanzenprofil
Wermut
Wermut ist eine der ältesten Heilpflanzen Europas und wird traditionell zur Förderung der Verdauung sowie zur Anregung von Appetit und Gallensekretion eingesetzt. Die bitteren Wirkstoffe (Absinthin, Artabsin) stimulieren die Produktion von Magensaft und Gallenflüssigkeit. In der Phytotherapie wird er bei Appetitlosigkeit, Blähungen und funktionellen Magen-Darm-Beschwerden genutzt.
Kein Ersatz für ärztliche Beratung
Traditionelle Anwendung
Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Magenschwäche, Gallenfunktion, Leberstärkung
Inhaltsstoffe
Zubereitungsformen
Dosierung und Zubereitung
Verwendete Pflanzenteile: Grundständige Blätter und/oder blühende Triebspitzen (Kraut/Herba), getrocknet, ganz oder zerkleinert
Erwachsene, oral: (1) Zerkleinertes Kraut als Tee: 1,0–1,5 g, 2–3x täglich (als Appetitanreger 30 Min. vor den Mahlzeiten, sonst nach den Mahlzeiten). (2) Pulverisiertes Kraut als Dragees/Filmtabletten: 3x täglich 4 Tabletten à 190 mg = 760 mg Einzeldosis (2,28 g/Tag). (3) Presssaft aus frischem Kraut (1:0,5–0,9): 2x täglich 5 ml (100 % Presssaft). (4) Tinktur (1:5), Ethanol 70 % V/V: 3x täglich, Einzeldosis entspricht ca. 1 g Droge (Tagesdosis ca. 3 g Droge).
Wechselwirkungen
| Schweregrad | Medikament / Wirkstoffklasse | Mechanismus | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Theoretisch | CYP450-Substrate | Artemisia absinthium stimuliert den Cyp450-Signalweg in der Rattenleber (Tiermodell). | Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von CYP450-Substraten; Befund nur aus Tiermodell, klinische Relevanz unklar. |
| Theoretisch | CYP450-Substrate | Wässriger Extrakt stimuliert HO-1/MT-1/CYP450-Signalweg im Rattenmodell; potenzielle Induktion hepatischer CYP-Enzyme. | Rein tierexperimenteller Befund; klinische Relevanz ungeklärt. Bei CYP-abhängigen Medikamenten mit engem therapeutischem Fenster beobachten. |
| Theoretisch | Hepatotoxische Arzneimittel / Glutathion-abhängige Substrate | Artemisia absinthium depletiert intrazelluläres Glutathion in vitro (HepG2-Zellen); kein signifikanter Effekt auf CYP3A4-Expression oder P-gp nachgewiesen | Klinische Relevanz ungeklärt; Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme hepatotoxischer Arzneimittel (z. B. Paracetamol) |
| Moderat | Antimalariamittel / Antibabesiale Wirkstoffe | Artemisia-Extrakt oder isolierte Wirkstoffe werden kombiniert mit Antimalaria- bzw. antibabaesialen Standardmedikamenten eingesetzt; synergistischer Effekt dokumentiert. | Kombination nur unter ärztlicher Aufsicht; Dosisanpassung der Standardmedikamente prüfen. |
| Moderat | ZNS-aktive Medikamente (z.B. Antiepileptika, Sedativa) | Ätherisches Öl von A. absinthium kann bei Langzeitanwendung Konvulsionen, Schlaflosigkeit und Halluzinationen auslösen; additives ZNS-Risiko möglich. | Langzeitanwendung des ätherischen Öls bei Patienten mit ZNS-Medikation vermeiden. |
Verwechslungsgefahr
Wermut kann mit dem Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris) verwechselt werden, der jedoch keinen ausgeprägt bitteren Geschmack besitzt und ein deutlich abweichendes Wirkstoffprofil aufweist. Ebenfalls ähnlich ist der Pontische Beifuß (Artemisia pontica), der sich durch kleinere Blütenköpfe und eine weniger silbrig-filzige Blattunterseite unterscheidet.
Geschichte & Tradition
Wermut zählt zu den ältesten Arzneipflanzen des Abendlandes und war bereits in der Antike bei Hippokrates und Dioskurides als Heilmittel bekannt. Im Mittelalter wurde er in Klostergärten kultiviert; Hildegard von Bingen beschrieb ihn als wirksames Mittel gegen Magenträgheit und Würmer. Ab dem 18. Jahrhundert erlangte Wermut als Hauptbestandteil des Destillats Absinth weitreichende kulturelle Bedeutung, was aufgrund des toxischen Thujon-Gehalts in hohen Dosen zeitweise zu gesetzlichen Verboten in mehreren europäischen Ländern führte. In der modernen Phytotherapie wird ausschließlich standardisierter, thujonarmer Extrakt oder verdünnter Tee verwendet.
Saison und Sammeln
Diese Pflanze wächst wild und kann gesammelt werden. Bitte nur an sicheren, unbelasteten Standorten ernten.
Blütezeit: Juli, August, September
Erntezeit: Juni, Juli, August, September
Evidenzlage
Gut belegtPflanzenbild
© David Monniaux · CC BY-SA 3.0
Quellen
- EMA HMPC Assessment: Absinthii herba, European Medicines Agency [Link]
Sicherheitshinweise
Enthält Thujon (neurotoxisch in hohen Dosen). Nicht in der Schwangerschaft. Langzeitanwendung und hohe Dosen vermeiden.
| Schwangerschaft | Unbekannt |
| Stillzeit | Unbekannt |
| Kinder | Unbekannt |
| Blutverdünner | Unbekannt |
| Vor Operationen | Unbekannt |
| Lebererkrankung | Unbekannt |
| Nierenerkrankung | Unbekannt |
| Autoimmunerkrankung | Unbekannt |
| Bluthochdruck | Unbekannt |
| Empfindlicher Magen | Unbekannt |
Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.