Pflanzenprofil
Sauerkirsche
Die Sauerkirsche wird in der Volksmedizin vor allem mit ihren Stielen (Kirschwasser) traditionell für ihre harntreibenden Eigenschaften eingesetzt. Die anthocyanreichen Früchte werden in Studien als antioxidativ und entzündungshemmend beschrieben. Zudem enthält die Sauerkirsche natürliches Melatonin und wird in der Volksheilkunde traditionell zur Unterstützung des normalen Schlafs verwendet.
Kein Ersatz für ärztliche Beratung
Traditionelle Anwendung
Harnwegsinfektionen, Gicht, Entzündungen, Schlafstörungen, Antioxidantien, Nierensteine (vorbeugend)
Inhaltsstoffe
Zubereitungsformen
Dosierung und Zubereitung
Verwendete Pflanzenteile: Fruchtstiele (Pedunculi) von Prunus cerasus L. und Prunus avium L. nach Fruchtreife und Trocknung
Erwachsene: Infusion von 2–6 g zerkleinerter Droge pro 200 mL heißem Wasser (3–5 min ziehen lassen) oder Dekokt (10–20 min köcheln), 1 Tasse 2–4x täglich. Nach Pharmacopée Française: 5–10 g/L, 250–500 mL täglich. Alternativ Hartkapseln mit 350 mg Trockenextrakt: 2 Kapseln 2x täglich mit einem großen Glas Wasser. Klinische Studie: 2 Kapseln à 335 mg alle 8 Stunden (Tagesdosis 2 g).
Wechselwirkungen
Keine spezifischen Wechselwirkungen dokumentiert.
Verwechslungsgefahr
Eine Verwechslung mit der Süßkirsche (Prunus avium) ist möglich, die sich durch weniger saure Früchte und einen kräftigeren Wuchs unterscheidet. Die Mahalebkirsche (Prunus mahaleb) ähnelt in Blüte und Habitus, trägt jedoch deutlich kleinere, stark bittere Früchte.
Geschichte & Tradition
Die Sauerkirsche stammt aus dem Gebiet zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer und wurde wahrscheinlich durch die Römer nach Mitteleuropa verbreitet. Im Mittelalter fand sie in Klostergärten Verbreitung als Nahrungs- und Heilpflanze. Die volksmedizinische Nutzung der getrockneten Kirschstiele als Diuretikum ist seit dem 18. Jahrhundert schriftlich belegt. Die wissenschaftliche Untersuchung der Anthocyane sowie des natürlichen Melatoningehalts setzte erst im 20. Jahrhundert ein.
Saison und Sammeln
Blütezeit: April, Mai
Erntezeit: Juni, Juli, August
Evidenzlage
Gut belegtPflanzenbild
© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain
Quellen
- EMA HMPC Assessment: Prunus avium peduncle, European Medicines Agency [Link]
Sicherheitshinweise
Kerne nicht zerbeißen (Blausäure-Verbindungen). Bei Nierenerkrankungen Rücksprache mit Arzt. Keine bekannten schwerwiegenden Wechselwirkungen.
Gegenanzeigen: Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen (keine Daten zur reproduktiven Toxizität vorhanden). Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen (fehlende adäquate Daten).
| Schwangerschaft | Meiden |
| Stillzeit | Meiden |
| Kinder | Meiden |
| Blutverdünner | Unbekannt |
| Vor Operationen | Unbekannt |
| Lebererkrankung | Unbekannt |
| Nierenerkrankung | Unbekannt |
| Autoimmunerkrankung | Unbekannt |
| Bluthochdruck | Unbekannt |
| Empfindlicher Magen | Unbekannt |
Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.
