Pflanzenprofil
Cimicifuga racemosa
Wechseljahrsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, prämenstruelles Syndrom, Harnwegserkrankungen, genitale Beschwerden
Kein Ersatz für ärztliche Beratung
Traditionelle Anwendung
Wechseljahrsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, prämenstruelles Syndrom, Harnwegserkrankungen, genitale Beschwerden
Inhaltsstoffe
Zubereitungsformen
Dosierung und Zubereitung
Verwendete Pflanzenteile: Rhizom (getrocknetes, ganzes oder zerkleinertes Rhizom mit Wurzeln)
Erwachsene (Frauen in den Wechseljahren): Trockenextrakt als feste orale Darreichungsform (Tablette, Filmtablette, Kapsel). Drei zugelassene Extrakte: (a) DER 5–10:1, Ethanol 58 % – 2× tägl. 2,8 mg (entspricht 20 mg Droge); (b) DER 4,5–8,5:1, Ethanol 60 % – 1× tägl. 6,5 mg (entspricht 40 mg Droge); (c) DER 6–11:1, Propan-2-ol 40 % – 2× tägl. 2,5 mg oder 1× tägl. 5,0 mg (entspricht 40 mg Droge). Tagesdosis entspricht in allen Fällen ca. 40 mg Droge. Anwendungsdauer: bis zu 6 Monate (einzelne Präparate bis 3 Monate).
Wechselwirkungen
| Schweregrad | Medikament / Wirkstoffklasse | Mechanismus | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Moderat | Tetrazyklisches Antidepressivum | Vermutlich CYP- oder P-Glykoprotein-Hemmung durch Cimicifuga racemosa | Kombination vermeiden; bei Auftreten von Missempfindungen/Bewegungsunruhe sofort ärztlich abklären |
| Moderat | Paroxetin | Möglicherweise additive östrogene/hormonelle Effekte oder CYP2D6-Hemmung | Kombination meiden; bei Brustveränderungen Präparat absetzen und Arzt aufsuchen |
| Schwerwiegend | Venlafaxin | Vermutlich CYP- oder P-Glykoprotein-Hemmung mit erhöhter Venlafaxin-Exposition; SIADH-Risiko potenziert | Kombination kontraindiziert; Natrium-Monitoring bei bestehender Kombination; Cimicifuga absetzen |
| Gering | Tamoxifen | Tamoxifen kann die Wirksamkeit von iCR bei klimakterischen Symptomen abschwächen; Mechanismus nicht näher spezifiziert. | Bei Tamoxifen höhere iCR-Dosen oder iCR+HP-Kombination erwägen; keine klinisch relevanten Sicherheitsbedenken laut Studienlage. |
| Theoretisch | MAO-Hemmer (MAO-A-Inhibitoren) | N-ω-Methylserotonin wird primär durch MAO-A abgebaut; MAO-A-Hemmung verlangsamt diesen Abbau, CYP450 übernimmt nur minor | Kombination mit MAO-Hemmern theoretisch kritisch; Datenbasis rein in vitro, keine klinischen Daten verfügbar |
| Theoretisch | CYP1A1/CYP1B1-Substrate (z.B. Östrogene, bestimmte Zytostatika) | Humulus lupulus (8-Prenylnaringenin) hemmt CYP1A1 und CYP1B1 in vitro; Cimicifuga racemosa zeigte keinen Effekt auf diese Enzyme | Rein experimenteller Befund (MCF-10A-Zellen). Für Cimicifuga racemosa kein Interaktionsrisiko über diesen Mechanismus identifiziert |
| Theoretisch | Tamoxifen | Schwarzkohle-Extrakt hemmt CYP3A4 (IC50 16,5 µg/mL) und CYP2D6 (IC50 50,1 µg/mL) kompetitiv in vitro; Triterpenglykoside (CYP3A4) und Alkaloide Protopin/Allocryptopin (CYP2D6) identifiziert. | Gleichzeitige Einnahme vermeiden; klinische Studien zur Bestätigung der In-vitro-Befunde fehlen noch; bei Tamoxifen-Therapie ärztliche Rücksprache. |
Verwechslungsgefahr
Verwechslungen sind mit der in Europa heimischen Actaea spicata (Christophskraut) möglich, die stark giftig ist und ähnliche Blattstrukturen aufweist. Zudem können asiatische Cimicifuga-Arten (z. B. Cimicifuga foetida, C. dahurica) botanisch ähneln und gelangen gelegentlich als Verfälschungen in den Handel.
Geschichte & Tradition
Cimicifuga racemosa wurde von verschiedenen indigenen Völkern Nordamerikas, darunter Cherokee und Irokesen, traditionell bei Menstruationsbeschwerden, Geburtsschmerzen und rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Im 19. Jahrhundert gelangte die Pflanze durch europäische Siedler in die westliche Medizin und wurde in der Eclectic Medicine der USA als Frauenheilmittel populär. Im 20. Jahrhundert etablierte sie sich in Deutschland insbesondere zur phytotherapeutischen Behandlung klimakterischer Beschwerden, was durch mehrere klinische Studien unterstützt wurde.
Saison und Sammeln
Blütezeit: Juli, August, September
Erntezeit: September, Oktober
Evidenzlage
Gut belegtPflanzenbild
© H. Zell · CC BY-SA 3.0
Quellen
- EMA HMPC Assessment: Cimicifugae rhizoma, European Medicines Agency [Link]
Sicherheitshinweise
Nicht in der Schwangerschaft. Mögliche Leberschäden bei Langzeitanwendung. Nicht bei östrogenabhängigen Erkrankungen ohne ärztliche Rücksprache.
Gegenanzeigen: Schwangerschaft (kann östrogene Aktivität aufweisen und die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft stören; nicht empfohlen). Stillzeit (Ausscheidung in die Muttermilch unbekannt, Risiko für Säugling nicht ausgeschlossen; nicht anwenden). Überempfindlichkeit gegen die Inhaltsstoffe (Abschnitt 5.5.2 referenziert, im vorliegenden Auszug nicht vollständig wiedergegeben).
| Schwangerschaft | Meiden |
| Stillzeit | Meiden |
| Kinder | Unbekannt |
| Blutverdünner | Unbekannt |
| Vor Operationen | Unbekannt |
| Lebererkrankung | Vorsicht |
| Nierenerkrankung | Unbekannt |
| Autoimmunerkrankung | Vorsicht |
| Bluthochdruck | Unbekannt |
| Empfindlicher Magen | Unbekannt |
Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.