Luavera

Pflanzenprofil

Salbei

Salvia officinalis

Lamiaceae

Salbei (Salvia officinalis) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) mit langer Tradition in der europäischen Volksmedizin. Die Blätter werden traditionell bei Entzündungen des Mund- und Rachenraums sowie bei übermäßigem Schwitzen verwendet. Darüber hinaus wird Salbei traditionell auch bei Verdauungsbeschwerden und Wechseljahresbeschwerden angewandt. In der Literatur werden für Salbei verschiedene biologische Effekte beschrieben, die diese traditionelle Anwendung erklären könnten.


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündung, Rachenentzündung, übermäßiges Schwitzen, Verdauungsbeschwerden, Wechseljahresbeschwerden

HalsschmerzenMundschleimhautSchwitzenVerdauungsbeschwerdenWechseljahreEntzündung

Inhaltsstoffe

Ätherisches Öl (ThujonCampherCineol)RosmarinsäureFlavonoideGerbstoffeDiterpene (Carnosolsäure)

Zubereitungsformen

TeeTinkturÄtherisches ÖlUmschlagStandardisierter Extrakt

Dosierung und Zubereitung

Verwendete Pflanzenteile: Blätter (Folium), Ätherisches Öl (Aetheroleum)

Erwachsene und Jugendliche (>12 Jahre) – Oral: Kräuterteeaufguss 1–4 g getrocknetes Blatt in 150 ml heißem Wasser, 2–4x täglich; Trockenextrakt (4–7:1, wässrig) 80–300 mg als Kapsel/Tablette, 1–3x täglich; Frischpflanzen-Trockenextrakt (1:17–18, Ethanol 68%) 1 Tablette täglich (bei Wechseljahresbeschwerden/Hyperhidrose). Äußerlich (Mundspülung/Gurgeln): 2–2,5 g/100 ml heißes Wasser, 2–3x täglich. Anwendungsdauer: 7–14 Tage (Mundspülung/äußerlich); orale Anwendung bei Verdauungsbeschwerden ohne explizite Begrenzung. Kinder unter 12 Jahren: in der Regel nicht empfohlen.

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
TheoretischAlpha-Glucosidase-Inhibitor (Antidiabetikum)Pflanzliche Verbindungen (u.a. Cumarsäure, Epikatchin) inhibieren selektiv bakterielle α-Glucosidase; additiver Effekt mit Acarbose auf Darmmikrobiom möglichRein präklinische Evidenz; keine klinische Handlungsempfehlung ableitbar; Mikrobiom-Effekte bedürfen weiterer Forschung
TheoretischSulfonamid (sulfonylurea-ähnliche Verbindung, nicht namentlich genannt)Pharmakodynamische Synergie: Salvia officinalis verstärkt die blutzuckersenkende Wirkung des Sulfonamids durch komplementäre Mechanismen (In-vivo-Tiermodell).Blutzuckerkontrolle engmaschig überwachen; Hypoglykämiegefahr bei kombinierter Anwendung theoretisch erhöht. Humanstudien fehlen.
TheoretischAntibiotika (allgemein)Synergistische Kombination von S. officinalis ätherischem Öl mit Antibiotika erhöht deren Wirksamkeit gegen resistente Bakterien (In-vitro-FICI-Analyse)Rein experimentelle In-vitro-Daten; keine klinische Anwendungsempfehlung ableitbar
TheoretischCYP3A4-Substrate (z.B. Immunsuppressiva, Statine, Benzodiazepine)Salvia-Verbindungen (u.a. Rosmarinsäure) binden in silico an CYP3A4 (Molecular Docking); mögliche Hemmung des Enzyms.Rein computationelle Studie; keine klinische Relevanz belegt. Bei CYP3A4-Substraten mit enger therapeutischer Breite Vorsicht beachten.
TheoretischCYP2C19-Substrate (z.B. Clopidogrel, Protonenpumpenhemmer)CYP2C19 als Top-Ranking-Target identifiziert; In-silico-Interaktion von Salvia-Verbindungen mit diesem Enzym.Keine klinischen Daten vorhanden. Nur computationelle Evidenz; kein Handlungsbedarf ohne weitere Studien.
TheoretischCYP1A2-Substrate (z.B. Theophyllin, Clozapin, Coffein)CYP1A2 und CYP1B1 unter Top-Targets; Molecular-Docking-Interaktion mit Salvia-Inhaltsstoffen.Rein in silico; kein klinischer Handlungsbedarf. Bei Theophyllin/Clozapin wachsam bleiben, falls weitere Daten folgen.
TheoretischDPP4-Inhibitoren (Gliptine)Rosmarinsäure, Kaffeesäure und Salvianolsäure B zeigen In-silico-Bindung an DPP4 – additiver antidiabetischer Effekt möglich.Nur computationelle Evidenz; keine klinische Relevanz belegt. Blutzuckerkontrolle bei gleichzeitiger Einnahme beobachten.
TheoretischSynthetisches Sulfonamid (Sulfonylurea-Typ)Komplementäre Mechanismen beider Substanzen führen zu additivem/synergistischem hypoglykämischem Effekt im TiermodellNur im Rattenmodell belegt; klinische Relevanz beim Menschen unklar – bei Kombination Blutzucker-Monitoring empfohlen
TheoretischAntibiotikaÄtherisches Öl von S. officinalis verstärkt in vitro die antibakterielle Wirkung von Antibiotika gegen resistente Keime (FICI-Analyse).Nur In-vitro-Befund; keine klinische Dosisanpassung ableitbar. Weitere Studien erforderlich.
TheoretischCYP3A4-Substrate (z.B. Statine, Kalziumantagonisten, Immunsuppressiva)Salvia-Verbindungen (Apigenin, Rosmarinic acid) binden rechnerisch an CYP3A4; mögliche Hemmung des EnzymsRein in-silico-Befund; klinische Relevanz nicht belegt; bei CYP3A4-sensitiven Arzneimitteln beobachten
TheoretischCYP2C19-Substrate (z.B. Protonenpumpenhemmer, Clopidogrel)CYP2C19 als Top-Ziel in Netzwerkanalyse; Salvia-Phenole zeigen Bindungsaffinität (molekulares Docking)Rein computationeller Befund; keine klinischen Daten; Vorsicht bei enger therapeutischer Breite
TheoretischCYP1A2-Substrate (z.B. Theophyllin, Clozapin, Koffein)CYP1A2 unter Top-Ranking-Zielen; Interaktion mit Salvia-Verbindungen in silico vorhergesagtNur Modellstudie; klinische Bedeutung unklar; keine Dosisanpassung ableitbar
TheoretischAntidiabetika (DPP-4-Hemmer, Insulinsensitizer)Rosmarinic acid, caffeic acid binden in silico an DPP4 und PPARG – dieselbe Zielstruktur wie Gliptine/ThiazolidindioneKombinationsanwendung bei Diabetikern beobachten; klinische Studien fehlen

Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslung mit dem Muskatellersalbei (Salvia sclarea) oder dem Ziersalbei (Salvia splendens) ist möglich, beide sind jedoch gut an Blütenfarbe und Wuchsform unterscheidbar. Gelegentlich wird auch der Wiesensalbei (Salvia pratensis) verwechselt, der zwar ähnliche Blätter aufweist, aber geringere Gehalte an Wirksubstanzen besitzt.

Geschichte & Tradition

Salbei wurde bereits in der Antike von griechischen und römischen Ärzten therapeutisch genutzt; der Gattungsname Salvia leitet sich vom lateinischen salvare (heilen, retten) ab. Im Mittelalter zählte er zu den unverzichtbaren Klosterheilpflanzen und war fester Bestandteil der Benediktinerregel für Klostergärten. Die Volksmedizin Südeuropas setzte Salbei über Jahrhunderte gegen Halsschmerzen, Fieber und Schweißausbrüche ein. Im 20. Jahrhundert wurde er durch die Kommission E und später die HMPC (EMA) als traditionelles Phytotherapeutikum offiziell anerkannt.

Saison und Sammeln

Blütezeit: Mai, Juni, Juli, August

Erntezeit: Mai, Juni, Juli

Evidenzlage

Gut belegt

Pflanzenbild

Salbei

© Kurt Stüber [1] · CC BY-SA 3.0

Quellen

  1. EMA HMPC Assessment: Salviae officinalis folium, European Medicines Agency [Link]

Sicherheitshinweise

Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden; Daueranwendung begrenzen (Thujon); nicht für Kleinkinder geeignet.

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderVorsicht
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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