Luavera

Pflanzenprofil

Weißbeerige Mistel

Viscum album L.

Santalaceae

Die Weißbeerige Mistel ist eine halbparasitische Pflanze, die traditionell bei Bluthochdruck, Arteriosklerose und Schwindel eingesetzt wird. In der anthroposophischen und komplementären Medizin werden standardisierte Mistelextrakte (z. B. Iscador, Helixor, Iscucin) begleitend zur Krebstherapie genutzt, da enthaltene Lektine und Viscotoxine immunmodulierende Eigenschaften zeigen. Die Pflanze wächst als Halbschmarotzer auf verschiedenen Laubbäumen und wird ganzjährig geerntet.


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Bluthochdruck, Arteriosklerose, Schwindel, Tinnitus, rheumatische Beschwerden, Herzinsuffizienz

RheumaImmunsystemHerz-kreislaufBluthochdruckArterioskleroseTinnitusSchwindel

Inhaltsstoffe

Mistellektine (ML-IML-IIML-III)ViscotoxinePolysaccharideFlavonoideAlkaloide (TyraminCholin)PhenylpropanderivateTriterpene

Zubereitungsformen

AufgussTinkturStandardisierter ExtraktNativextrakt

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
TheoretischCisplatinSynergistische Hemmung von Proliferation, Apoptoseinduktion und G2/M-Zellzyklusarrest durch Kombination von VCA (Mistellektin) und Cisplatin in vitroRein präklinische In-vitro-Daten (2D/3D); klinische Relevanz nicht belegt; keine Therapieempfehlung ableitbar
SchwerwiegendWarfarinViscum album hemmt CYP3A4, reduziert Warfarin-Metabolisierung und erhöht PlasmaspiegelKombination vermeiden; bei Anwendung engmaschige INR-Kontrolle und Aufklärung über Wechselwirkungen
SchwerwiegendAntineoplastika (ATC L01) und Hormonantagonisten (ATC L02B)Pharmakodynamische oder pharmakokinetische Interaktion (nicht näher spezifiziert im Abstract)Kombination mit Chemotherapie nur unter ärztlicher Aufsicht; Phytovigilanz durch Kliniker empfohlen
TheoretischEtoposidIn-vitro-Synergismus/Additivität zwischen abnobaVISCUM Fraxini (aVF) und Etoposid an LAN-1-Neuroblastomzellen (4 Referenzmodelle)Nur präklinische Daten; klinische Relevanz unklar; simultane Anwendung in Pädiatrie kritisch beobachten
TheoretischCisplatinIn-vitro-Synergismus/Additivität zwischen aVF und Cisplatin an LAN-1-Neuroblastomzellen (4 Referenzmodelle)Nur präklinische Daten; klinische Relevanz unklar; simultane Anwendung in Pädiatrie kritisch beobachten
TheoretischStrahlentherapieaVF verzögert Reparatur strahleninduzierter DNA-Doppelstrangbrüche (γ-H2AX-Foci, Durchflusszytometrie) an SH-SY5Y-ZellenNur präklinische Daten; mögliche Radiosensibilisierung; simultane Radiotherapie in Pädiatrie engmaschig überwachen
TheoretischCisplatinVCA (Mistellektion) und Cisplatin hemmen synergistisch Zellproliferation, induzieren Apoptose und G2/M-Arrest in TNBC-Zellen (In-vitro)Rein präklinische In-vitro-Daten; keine klinische Anwendung ableitbar; klinische Studien erforderlich
SchwerwiegendWarfarinViscum album hemmt CYP3A4 und verhindert den hepatischen Abbau von Warfarin zu inaktiven Metaboliten → AkkumulationKombination vermeiden; Patienten aktiv nach Misteltherapie befragen; bei Koadministration engmaschige INR-Kontrolle
SchwerwiegendNab-PaclitaxelNab-Paclitaxel verdrängt Warfarin von Albumin-Bindungsstellen → erhöhte freie (aktive) Warfarin-KonzentrationEngmaschige INR-Überwachung bei gleichzeitiger Chemotherapie mit nab-Paclitaxel und Warfarin
SchwerwiegendAntineoplastika (ATC L01)Pharmako­kinetische oder pharmako­dynamische Interaktion (Mechanismus im Abstract nicht spezifiziert)Gleichzeitige Anwendung mit Chemotherapeutika kritisch prüfen; Phytovigilanz-Daten berücksichtigen
SchwerwiegendHormonantagonisten (ATC L02B)Pharmako­kinetische oder pharmako­dynamische Interaktion (Mechanismus im Abstract nicht spezifiziert)Kombination mit Hormonantagonisten meiden bzw. engmaschig überwachen
TheoretischEtoposidIn-vitro-Synergismus zwischen Mistelextrakt aVF und Etoposid auf LAN-1-Neuroblastomzellen (4 Referenzmodelle).Präklinischer Befund; klinische Relevanz unklar. Simultane Anwendung in der pädiatrischen Onkologie nur unter engmaschiger Überwachung.
TheoretischCisplatinIn-vitro-Synergismus zwischen aVF und Cisplatin auf LAN-1-Neuroblastomzellen; Cisplatin-resistente Linien auch weniger Mistel-sensitiv.Nur präklinische Daten; klinische Studien fehlen. Kombination in der Pädiatrie nicht ohne weitere Evidenz empfehlen.
TheoretischStrahlentherapieMistelextrakt aVF verzögert Reparatur strahleninduzierter DNA-Doppelstrangbrüche (γ-H2AX-Foci-Analyse an SH-SY5Y-Zellen).Rein präklinischer Befund. Mögliche Radiosensibilisierung; klinische Sicherheit und Nutzen-Risiko-Abwägung müssen erst klinisch geprüft werden.

Verwechslungsgefahr

Eine gelegentliche Verwechslung ist mit der Riemenblume (Loranthus europaeus) möglich, die ebenfalls als Halbschmarotzer auf Laubbäumen wächst, jedoch gelbliche statt weißer Beeren und gegenständige, ledrige Blätter aufweist. Aufgrund der charakteristischen kugelförmigen Wuchsform und der weißen, schleimigen Beeren ist Viscum album in Mitteleuropa jedoch weitgehend unverwechselbar.

Geschichte & Tradition

Die Mistel galt bereits bei den Kelten als heilige Pflanze; Druiden ernteten sie rituell mit goldenen Sicheln, vorzugsweise von Eichen. In der europäischen Volksmedizin des Mittelalters fand sie Anwendung bei Epilepsie, Schwindel und Herzbeschwerden. Ab 1920 begründete Rudolf Steiner auf Basis der anthroposophischen Medizin den Einsatz fermentierter Mistelextrakte in der Krebsbegleittherapie. Heute sind standardisierte Mistelpräparate in Deutschland als Arzneimittel zugelassen und werden in der komplementären Onkologie eingesetzt.

Saison und Sammeln

Wildkraut

Diese Pflanze wächst wild und kann gesammelt werden. Bitte nur an sicheren, unbelasteten Standorten ernten.

Blütezeit: Februar, März, April

Erntezeit: Oktober, November, Dezember, Januar, Februar, März

Pflanzenbild

Weißbeerige Mistel

© George Chernilevsky · CC BY 4.0

Sicherheitshinweise

Beeren und Frischpflanze giftig – nur standardisierte Präparate verwenden! Nicht in der Schwangerschaft. Bei Krebstherapie nur unter ärztlicher Aufsicht.

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderUnbekannt
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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