Pflanzenprofil
Guaraná
Müdigkeit, Erschöpfung, geistige Leistungsfähigkeit, körperliche Leistung, Konzentrationsschwäche
Kein Ersatz für ärztliche Beratung
Traditionelle Anwendung
Müdigkeit, Erschöpfung, geistige Leistungsfähigkeit, körperliche Leistung, Konzentrationsschwäche
Inhaltsstoffe
Zubereitungsformen
Dosierung und Zubereitung
Verwendete Pflanzenteile: Samen (Semen) – geschält, getrocknet, geröstet und pulverisiert
Erwachsene und ältere Patienten: Einzeldosis 450 mg, bis zu 2.250 mg/Tag als pulverisierte Herbalsubstanz in Hartkapseln (oral). Länderspezifisch: Frankreich 3–5x täglich je 445-mg-Kapsel; Spanien 3–5x täglich je 340-mg-Kapsel (max. 2.040 mg/Tag); Deutschland 2x täglich 500 mg, steigerbar auf 3x täglich 2 Kapseln. Bei Symptomen länger als 1 Woche ärztliche Konsultation.
Wechselwirkungen
| Schweregrad | Medikament / Wirkstoffklasse | Mechanismus | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Moderat | Hypnotika / Sedativa | Coffein (Wirkstoff in Guarana) antagonisiert zentral dämpfende Effekte durch Adenosin-Antagonismus. | Kombination meiden; Einnahme von Guarana abends oder kurz vor Schlafmitteln vermeiden. |
| Moderat | Pressormittel (Sympathomimetika) | Coffein verstärkt sympathomimetische Wirkung durch additive Stimulation des Herzkreislaufsystems. | Kombination nur unter ärztlicher Überwachung; Blutdruck und Herzfrequenz kontrollieren. |
| Moderat | Schilddrüsenmedikamente | Coffein verstärkt die Wirkung von Schilddrüsenhormonen, Mechanismus nicht vollständig geklärt. | Bei Schilddrüsenerkrankungen Guarana meiden; Guarana ist bei Hyperthyreose kontraindiziert. |
| Gering | Benzodiazepine | Coffein antagonisiert GABA-vermittelte und adenosinerge Dämpfung; Interaktionen variabel und unvorhersehbar. | Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung; individuelle Reaktionen beobachten. |
| Gering | Analgetikum | Coffein erhöht die Bioverfügbarkeit bzw. analgetische Wirksamkeit von Paracetamol (synergistischer Effekt). | Kombination in üblichen Dosen im Allgemeinen unkritisch; Gesamtcoffein-Tageszufuhr beachten. |
| Gering | Acetylsalicylsäure (Aspirin) | Coffein erhöht analgetische Wirksamkeit von Acetylsalicylsäure durch synergistischen Effekt. | Kombination in üblichen Dosen im Allgemeinen unkritisch; bei Antikoagulation Vorsicht. |
| Gering | Orale Kontrazeptiva (Antibabypille) | Orale Kontrazeptiva hemmen CYP1A2 und verlangsamen dadurch den hepatischen Coffein-Abbau. | Gesamtcoffein-Zufuhr aus allen Quellen reduzieren; auf Zeichen der Coffein-Akkumulation achten. |
| Gering | Cimetidin | Cimetidin hemmt CYP1A2 und verlangsamen dadurch den hepatischen Coffein-Abbau. | Gesamtcoffein-Zufuhr reduzieren; auf Coffein-Akkumulationszeichen achten. |
| Moderat | Disulfiram | Disulfiram hemmt CYP1A2 und reduziert dadurch den hepatischen Coffein-Abbau erheblich. | Guarana bei Disulfiram-Therapie meiden; erhebliche Coffein-Akkumulation möglich. |
| Gering | Barbiturate (Hypnotika) | Barbiturate induzieren CYP1A2 und beschleunigen dadurch den hepatischen Coffein-Abbau. | Wirkungsverlust von Guarana bei gleichzeitiger Einnahme möglich; klinische Bedeutung gering. |
| Moderat | Theophyllin | Coffein verlangsamt die Elimination von Theophyllin (Kompetition um CYP1A2); additiver Xanthin-Effekt. | Kombination meiden; bei gleichzeitiger Anwendung Theophyllin-Spiegel engmaschig überwachen. |
| Gering | Gyrasehemmer (Chinolone, Antibiotika) | Chinolone (z.B. Ciprofloxacin) hemmen CYP1A2 und verzögern die Elimination von Coffein. | Gesamtcoffein-Zufuhr während Chinolontherapie reduzieren; auf Akkumulationszeichen achten. |
Verwechslungsgefahr
Botanisch könnte Guaraná mit anderen Arten der Gattung Paullinia verwechselt werden, die im gleichen Verbreitungsgebiet vorkommen. Als verarbeitetes Produkt (Pulver, Extrakt) ist eine Verfälschung oder Verwechslung mit anderen coffeinhaltigen Pflanzen wie Kolanuss (Cola nitida) oder Mate (Ilex paraguariensis) möglich.
Geschichte & Tradition
Guaraná wird seit Jahrhunderten von indigenen Völkern des Amazonasbeckens, insbesondere den Sateré-Mawé in der heutigen brasilianischen Region Maués, als Stimulans und Nahrungsmittel genutzt. Die gemahlenen Samen wurden traditionell zu einer Paste verarbeitet und in Wasser aufgelöst getrunken. Europäische Missionare beschrieben die Pflanze und ihre Verwendung erstmals im 17. Jahrhundert. Seit dem 19. Jahrhundert wird Guaraná in Brasilien kommerziell kultiviert und ist ein verbreiteter Bestandteil brasilianischer Erfrischungsgetränke.
Saison und Sammeln
Blütezeit: Juli, August, September, Oktober
Erntezeit: September, Oktober, November
Evidenzlage
Gut belegtPflanzenbild
© Franz Eugen Köhler, Köhler's Medizinal-Pflanzen · Public domain
Quellen
- EMA HMPC Assessment: Paulliniae semen, European Medicines Agency [Link]
Sicherheitshinweise
Enthält viel Koffein; nicht bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Schwangerschaft oder Kindern; Wechselwirkungen mit Blutverdünnern möglich.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen Guarana-Samen; Herzrhythmusstörungen (Tachykardie, Arrhythmie – Verstärkungsrisiko); Leberzirrhose (Koffein-Akkumulationsgefahr); Hyperthyreose (Verstärkung von Koffein-Nebenwirkungen); Angststörungen (Verstärkungsrisiko); Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre; Kinder unter 12 Jahren.
| Schwangerschaft | Unbekannt |
| Stillzeit | Unbekannt |
| Kinder | Meiden |
| Blutverdünner | Vorsicht |
| Vor Operationen | Unbekannt |
| Lebererkrankung | Meiden |
| Nierenerkrankung | Unbekannt |
| Autoimmunerkrankung | Unbekannt |
| Bluthochdruck | Unbekannt |
| Empfindlicher Magen | Meiden |
Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.
