Luavera

Pflanzenprofil

Rauschpfeffer

Piper methysticum G.

Piperaceae

Angststörungen, Nervosität, innere Unruhe, Spannungszustände, Schlafstörungen


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Nervosität, innere Unruhe, Spannungszustände, Schlafstörungen

Angst & PanikStress & NervositätSchlafproblemeNervositätUnruheEntspannung

Inhaltsstoffe

Kavapyrone (KavainDihydrokavainMethysticinDihydromethysticinYangoninDesmethoxyyangonin)Chalkon-Derivate (Flavokawain ABC)StärkeMineralstoffe

Zubereitungsformen

Standardisierter ExtraktKapselTabletteTinkturPulver

Dosierung und Zubereitung

Verwendete Pflanzenteile: Rhizom (getrockneter Wurzelstock, in der Regel ohne Wurzeln, gelegentlich geschält)

Jugendliche >12 Jahre und Erwachsene: 60–240 mg Kavalactone täglich oral, verteilt auf 1–3 Einzeldosen. Darreichungsformen: Trockenextrakt als Tablette oder Kapsel (Extraktionsmittel Ethanol 96 % oder Aceton 75 %), Weichextrakt-Kapsel, Flüssigextrakt (Tropfen). Anwendungsdauer laut Quellen (Commission E, ESCOP, WHO) maximal 1–3 Monate.

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
ModeratCYP450-Substrate (CYP3A4, CYP2C9 u.a.)Piper methysticum hemmt Cytochrom-P450-Enzyme; veränderte Metabolisierung von CYP-Substraten möglichKomedikation mit engen therapeutischen Fenstern (z.B. Antikoagulantien, Immunsuppressiva) engmaschig überwachen
ModeratZNS-Depressiva / SedativaAdditive GABAerge und sedierende Effekte von Piper methysticum verstärken ZNS-DämpfungKombination mit Benzodiazepinen, Opiaten oder Alkohol vermeiden; Patienten warnen
SchwerwiegendHepatotoxische Substanzen / Medikamente mit LebertoxizitätsrisikoPiper methysticum (insbesondere verfälschte Produkte) kann direkte Hepatotoxizität verursachen; additives Risiko mit anderen LebertoxinenLeberwerte vor und während der Einnahme kontrollieren; bei Vorschäden oder hepatotoxischer Begleitmedikation kontraindiziert
TheoretischSSRI / SNRI / Trizyklische AntidepressivaFlavokawain A hemmt MAO-A in vitro (IC50 0,077 µM) und ist ZNS-gängig; additive Serotonin-Akkumulation möglichRein in vitro/in silico; klinische Relevanz unbelegt; Kombination mit Antidepressiva vorsichtshalber vermeiden
TheoretischMoclobemid, Phenelzin, TranylcyprominAdditive MAO-A-Hemmung; Flavokawain A zeigt vergleichbare reversible Hemmung wie Toloxaton (IC50 0,077 µM)In vitro-Befund ohne klinische Bestätigung; gleichzeitige Anwendung mit MAO-Inhibitoren theoretisch kontraindiziert
SchwerwiegendPhenobarbitalKavalaktone wirken GABAerg; abruptes Absetzen nach Hochdosiskonsum löst schweres GABAerges Entzugssyndrom ausBei schwerem Kava-Entzug Phenobarbital erwägen; gleichzeitige Einnahme wegen additiver ZNS-Depression meiden
SchwerwiegendBenzodiazepinAdditive GABAerge Wirkung von Kava und Benzodiazepinen; gemeinsames Absetzen erhöht EntzugspotenzialKombination Kava + Benzodiazepin wegen additiver Sedierung meiden; bei Kava-Entzug als Überbrückungstherapie einsetzbar
ModeratBuprenorphinKratom-Alkaloide interagieren mit μ- und δ-Opioidrezeptoren; pharmakodynamische Überschneidung mit BuprenorphinKratom-Entzug kann analog zum Opioid-Entzug mit Buprenorphin behandelt werden
SchwerwiegendDuloxetinKavalactone hemmen CYP2D6 und MAO → erhöhte Duloxetin- und Metaboliten-Spiegel im neuronalen SpaltKombination vermeiden; Kava-Präparate während SNRI-Therapie nicht einnehmen
SchwerwiegendVenlafaxinKavalactone hemmen CYP2D6 und MAO → erhöhte Venlafaxin- und aktive Metaboliten-KonzentrationenKombination vermeiden; Kava-Präparate während SNRI-Therapie nicht einnehmen
ModeratCYP450-Substrate (CYP1A2, CYP2C9, CYP2C19, CYP3A4)Piper methysticum hemmt hepatische CYP450-Enzyme, was den Metabolismus zahlreicher Arzneimittel verändert.Kombination mit engen therapeutischen Fenstern (z.B. Antikoagulanzien, Immunsuppressiva) meiden; therapeutisches Drug-Monitoring erwägen.
ModeratZNS-Depressiva (Benzodiazepine, Alkohol, Opioide)Additive GABAerge Wirkung von Kavalactonen verstärkt zentralnervöse Dämpfung.Gleichzeitige Anwendung vermeiden; bei unvermeidbarer Kombination engmaschige klinische Überwachung.
SchwerwiegendHepatotoxische Substanzen / AlkoholAdditives hepatotoxisches Risiko, verstärkt durch Produktverunreinigungen (Adulterierung); genauer Mechanismus multifaktoriell.Kombination mit lebertoxischen Arzneimitteln strikt vermeiden; Leberwerte vor und während der Anwendung kontrollieren.
SchwerwiegendSSRI / SNRI / TCA / andere SerotonergikaFlavokawain A hemmt MAO-A (IC50 0,077 µM, ZNS-permeabel); Kombination mit Serotonergika erhöht synaptisches Serotonin kumulativKombination mit serotonerg wirksamen Arzneimitteln vermeiden; engmaschige Überwachung bei gleichzeitiger Einnahme
TheoretischSympathomimetika (z.B. Ephedrin, Pseudoephedrin, Tyramin-reiche Nahrung)MAO-A-Hemmung reduziert oxidativen Abbau von Katecholaminen und Tyramin – Wirkungsverstärkung möglichTheoretisches Risiko auf Basis von In-vitro-Daten; klinische Bestätigung steht aus; Vorsicht geboten
TheoretischReversibler MAO-A-InhibitorAdditiver MAO-A-hemmender Effekt; Flavokawain A zeigt vergleichbares Wirkprofil zu Toloxaton (In-vitro-Referenz im Abstract)Keine Kombination; Befund basiert auf In-vitro-/In-silico-Daten, klinische Studien fehlen
SchwerwiegendGABAerge Substanzen (Benzodiazepine, Barbiturate)Kava-Kavalactone wirken GABAerg; Entzug nach Absetzen ähnelt schwerem GABAergem Entzugssyndrom (Kreuztoleranz)Bei schwerem Kava-Entzug Phenobarbital oder Benzodiazepine erwägen; stationäre Überwachung ggf. erforderlich
ModeratBuprenorphinKratom-Alkaloide (Mitragyna speciosa) binden an μ- und δ-Opioidrezeptoren; Entzug opioidanalogKratom-Entzug kann analog zum Opioid-Entzug mit Buprenorphin behandelt werden; gleichzeitiger Kava-Entzug beachten
SchwerwiegendDuloxetinKavalaktone hemmen CYP2D6 und MAO, erhöhen dadurch Duloxetin-Spiegel im synaptischen SpaltKava bei gleichzeitiger SNRI-Therapie vermeiden
SchwerwiegendVenlafaxinKavalaktone hemmen CYP2D6 und MAO, erhöhen dadurch Venlafaxin-Spiegel im synaptischen SpaltKava bei gleichzeitiger SNRI-Therapie vermeiden
TheoretischMidazolamHemmung des intestinalen CYP3A durch Kava-Kava-Extrakt (presystemischer Effekt); i.v.-Pharmakokinetik unbeeinflusstPotenzielle Bioverfügbarkeitssteigerung aller oralen CYP3A-Substrate; Übertragbarkeit auf Menschen noch unbestätigt
TheoretischFexofenadinHemmung des P-Glykoproteins durch Kava-Kava-Extrakt (In-vitro-Daten aus Caco-2-Zellen)Mögliche Erhöhung der Bioverfügbarkeit von P-gp-Substraten; klinische Relevanz beim Menschen nicht belegt
ModeratCYP450-SubstrateHemmung von Cytochrom-P450-Enzymen durch Piper-methysticum-InhaltsstoffeKombination mit Arzneimitteln mit engem therapeutischem Fenster meiden; klinisches Monitoring empfohlen
ModeratZNS-Dämpfer / SedativaAdditive GABAerge und sedierende WirkungKombination mit Sedativa, Anxiolytika oder Alkohol vermeiden
TheoretischSSRI / SNRIFlavokawain A hemmt MAO-A in vitro (IC50 0,077 µM); kombiniert mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern mögliche serotonerge ÜberaktivitätKombination bis zur klinischen Datenlage meiden; basiert ausschließlich auf In-vitro-Befunden
TheoretischMAO-Hemmer (MAOI)Additiver MAO-A-Hemmeffekt durch Kombination mit synthetischen MAO-Hemmern möglichKombination vermeiden; In-vitro-Grundlage, keine klinischen Daten vorhanden
TheoretischSympathomimetika / Tyramin-haltige LebensmittelMAO-A-Hemmung reduziert Tyramin-Abbau; erhöhte Noradrenalin-Ausschüttung möglichRein mechanistische Schlussfolgerung aus In-vitro-Daten; klinische Relevanz ungeklärt
SchwerwiegendDuloxetinKavalactone hemmen CYP2D6 und MAO → erhöhte Duloxetin- und Metabolitenkonzentrationen im synaptischen SpaltKombination vermeiden; bei gleichzeitiger Anwendung engmaschiges Monitoring auf Serotonin-Syndrom-Zeichen
SchwerwiegendVenlafaxinKavalactone hemmen CYP2D6 und MAO → erhöhte Venlafaxin- und O-Desmethylvenlafaxin-SpiegelKombination vermeiden; besonders während SNRI-Umstellung kein Kava; Patienten explizit auf Risiko hinweisen
TheoretischMidazolamKava-Kava hemmt intestinales CYP3A4; systemisches CYP3A4 unbeeinflusst (i.v.-Pharmakokinetik unverändert)Vorsicht bei oralen CYP3A4-Substraten; klinische Relevanz beim Menschen noch nicht belegt
TheoretischFexofenadinKava-Kava-Extrakt hemmt P-gp-vermittelten Transport in Caco-2-Zellen (In-vitro)Mögliche Erhöhung der Bioverfügbarkeit von P-gp-Substraten; klinische Humandaten fehlen
TheoretischCYP1A2-, CYP2C9- und CYP3A4-Substrate oder -InhibitorenDihydromethysticin wird in vitro durch CYP1A2, CYP2C9 und CYP3A4 metabolisiert; Komedikamente dieser Enzyme können den Abbau kompetitiv beeinflussen.Rein In-vitro-Befund; klinische Relevanz ungeklärt. Bei CYP1A2/2C9/3A4-Inhibitoren erhöhte Vorsicht wegen reaktiver Metabolitenbildung.
TheoretischCYP2C9-Substrate (z.B. Warfarin, Phenytoin, Glipizid, Diclofenac)Methysticin inaktiviert CYP2C9 mechanismusbasiert (Ortho-Chinon- und Carben-Intermediate); ~85% Hemmung bei 50 µM in vitro.Kombination mit CYP2C9-Substraten mit enger therapeutischer Breite meiden; klinische Bestätigung fehlt (In-vitro-Befund).
TheoretischCES1-Substrat-MedikamenteReversible CES1-Hemmung durch Kavalactone (kompetitiv bzw. gemischt-kompetitiv); Ki-Werte 25–105 µM in vitroBei empfohlener Tagesdosis kein Interaktionsrisiko; bei hoher OTC-Dosis (>1000 mg Kavalactone) Vorsicht mit CES1-Substraten

Verwechslungsgefahr

In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet besteht eine botanische Verwechslungsgefahr mit dem wilden Verwandten Piper wichmannii, der als nichtdomestizierter Vorläufer gilt und im Gegensatz zu Kulturvarietäten höhere Gehalte bestimmter Verbindungen aufweisen kann. Im europäischen Handel sind Verwechslungen aufgrund standardisierter Extrakte und klarer botanischer Herkunftsnachweise praktisch ausgeschlossen.

Geschichte & Tradition

Piper methysticum wird seit mehr als 3.000 Jahren auf den pazifischen Inseln Polynesiens, Melanesiens und Mikronesiens kultiviert und rituell sowie gesellschaftlich als Kawa-Kawa-Trunk aus den Wurzeln genutzt. Das Getränk spielte und spielt eine zentrale Rolle bei Zeremonien, Verhandlungen und gemeinschaftlichen Zusammenkünften in Ländern wie Fidschi, Vanuatu, Tonga und Samoa. Im 19. Jahrhundert gelangte die Pflanze in das Interesse europäischer Naturwissenschaftler; ab den 1980er-Jahren wurden in Deutschland standardisierte Trockenextrakte als pflanzliche Arzneimittel zur Behandlung von Angst- und Spannungszuständen zugelassen. Wegen Berichten über seltene Leberschäden ordnete das BfArM im Jahr 2002 ein Ruhen der Zulassungen an, das nach umfangreicher Neubewertung und Risikominimierungsmaßnahmen 2015 weitgehend aufgehoben wurde.

Saison und Sammeln

Erntezeit: Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober, November, Dezember

Evidenzlage

Gut belegt

Pflanzenbild

Rauschpfeffer

© Forest & Kim Starr · CC BY 3.0

Quellen

  1. EMA HMPC Assessment: Piperis methystici rhizoma, European Medicines Agency [Link]

Sicherheitshinweise

Lebertoxizität möglich; bei Lebererkrankungen kontraindiziert; kein Alkohol; max. 3 Monate Anwendung; ärztliche Kontrolle erforderlich

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderMeiden
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungVorsicht
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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