Luavera

Pflanzenprofil

Echter Baldrian

Valeriana officinalis

Caprifoliaceae

Echter Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen zur Linderung von Schlafstörungen, Nervosität und innerer Unruhe. Die getrocknete Wurzel enthält Valerensäure und Valepotriate, die beruhigende sowie schlaffördernde Eigenschaften besitzen. In der Phytotherapie wird er als mildes Sedativum bei Ein- und Durchschlafproblemen sowie stressbedingten Spannungszuständen eingesetzt.


Kein Ersatz für ärztliche Beratung

Diese Informationen dienen zur Orientierung und ersetzen keine Diagnose oder Behandlung. Bei ernsteren Beschwerden, Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme bitte immer Arzt oder Apotheke hinzuziehen.

Traditionelle Anwendung

Schlafstörungen, innere Unruhe, Nervosität, Angstzustände, Reizbarkeit, Spannungskopfschmerzen

NervositätSchlafproblemeAngst & PanikUnruheKopfschmerzenReizbarkeitStress & Nervosität

Inhaltsstoffe

ValerensäureValepotriate (IsovaltriatAcevaltrat)ätherische Öle (IsovaleriansäureBorneol)Flavonoide (LinarinHesperidin)Lignanefreie Aminosäuren (u. a. GABA)

Zubereitungsformen

TeeTinkturKapselTabletteStandardisierter Extrakt

Dosierung und Zubereitung

Verwendete Pflanzenteile: Wurzel (Radix): getrocknete unterirdische Pflanzenteile einschließlich Rhizom, Wurzeln und Ausläufer (Stolonen); zudem ätherisches Öl (Aetheroleum) aus den Wurzeln

Aufguss/Tee: 2–3 g Droge pro Tasse, 1- bis mehrmals täglich; bei Einschlafstörungen 0,5–1 h vor dem Schlafengehen. Tinktur (1:5, Ethanol 70%): 2–3 × 1,5 ml täglich; bei Schlaflosigkeit 3 ml vor dem Schlafengehen. Trockenextrakt (DER 3–7,4:1, Ethanol 40–70%): je nach Präparat 270–500 mg pro Einnahme, 1–3× täglich (Erwachsene und Jugendliche). Badezusatz (ätherisches Öl): mind. 0,002 g/l Wasser, Vollbad 34–37 °C, Dauer 10–20 min.

Wechselwirkungen

SchweregradMedikament / WirkstoffklasseMechanismusEmpfehlung
TheoretischAntibiotikum (Tetracyclin-Klasse)Synergistische antibakterielle Wirkung von Valeriana officinalis EO (VOEO) + Tetracyclin in ternärer Kombination (In-vitro, Simplex-Centroid-Design)Rein experimenteller In-vitro-Befund; keine klinische Relevanz ableitbar; keine Handlungsempfehlung für die Praxis
Theoretisch5-HT3-Antagonisten (z.B. Ondansetron)Molekulares Docking zeigt Bindung von Phytochemikalien (Naringenin, Chlorogensäure) an 5-HT3A-Rezeptoren (in silico)Rein theoretischer Befund aus In-silico-Daten; keine klinischen Daten für VOE vorhanden
TheoretischTNF-α-Inhibitoren / ImmunsuppressivaVOE-Extrakt reduzierte signifikant zerebrale TNF-α-Spiegel im Tiermodell (in vivo)Tiermodell-Befund; keine Übertragung auf klinische Praxis ohne Humanstudien möglich
ModeratCYP450-Substrate (allgemein)CYP450-vermittelte pharmakokinetische Interaktion; genaues Isoenzym nicht spezifiziertKomedikation mit CYP450-Substraten engmaschig überwachen
ModeratZNS-Depressiva / SedativaValeriana wirkt GABAerg; additive Hemmwirkung bei Kombination mit sedierenden SubstanzenKombination mit Sedativa, Hypnotika oder Alkohol vermeiden oder Dosis reduzieren
TheoretischAntibiotikum (Tetracyclin-Klasse)Synergistische antibakterielle Wirkung von VOEO (β-Maalien-reich) und Tetracyclin gegen MRSA in vitro (Simplex-Centroid-Mischungsdesign)Ausschließlich In-vitro-Befund; klinische Relevanz nicht belegt; keine Handlungsempfehlung ableitbar
TheoretischMidazolamValeriana-Extrakt hemmt intestinales CYP3A; i.v.-Pharmakokinetik unverändert (präsystemischer Effekt)Vorsicht bei oraler Komedikation mit CYP3A-Substraten; klinische Humandaten fehlen
TheoretischMidazolamKava-Kava-Extrakt (Piper methysticum) hemmt intestinales CYP3A; stärker als BaldrianKombination mit CYP3A-Substraten meiden; klinische Bestätigung am Menschen ausstehend
TheoretischFexofenadinKava-Kava hemmt P-gp-vermittelten Efflux in Caco-2-Zellen (in vitro); Valeriana-Effekt nicht signifikantMögliche erhöhte Bioverfügbarkeit von P-gp-Substraten unter Kava-Kava; klinische Relevanz unklar
TheoretischAntibiotikum (Tetracyclin-Klasse)Synergistische antibakterielle Wirkung: VOEO-Inhaltsstoffe (v.a. β-Maalien) potenzieren die MRSA-Hemmwirkung von Tetracyclin in vitro.Nur In-vitro-Befund; keine klinische Relevanz belegt. Keine therapeutische Anwendungsempfehlung ohne weitere Humanstudien.
TheoretischMidazolamHemmung des intestinalen CYP3A durch Baldrian-Extrakt; i.v.-Pharmakokinetik unverändert (presystemischer Effekt)Tiermodell-Daten; bei CYP3A-Substraten mit engem therapeutischen Fenster Vorsicht geboten
TheoretischMidazolamStärkere intestinale CYP3A-Hemmung durch Kava-Kava (Piper methysticum); presystemischer Effekt, i.v.-PK unverändertTiermodell-Daten; Kava-Kava zeigt ausgeprägtere CYP3A-Hemmung als Baldrian
TheoretischFexofenadinHemmung des intestinalen P-Glykoproteins durch Kava-Kava-Extrakt (in vitro, Caco-2-Zellen)Reine In-vitro-Daten; klinische Relevanz unklar; Baldrian-Effekt statistisch nicht signifikant

Verwechslungsgefahr

Bei der Wildsammlung besteht Verwechslungsgefahr mit dem stark giftigen Wasserschierling (Cicuta virosa), der ähnliche Feuchtstandorte bewohnt und im jungen Stadium ähnliche Blattformen aufweisen kann. Auch der Kleine Baldrian (Valeriana dioica) sieht dem Echten Baldrian ähnlich, enthält jedoch deutlich geringere Wirkstoffmengen.

Geschichte & Tradition

Baldrian war bereits in der Antike als Heilpflanze bekannt – Hippokrates und Dioskurides beschrieben seine beruhigende Wirkung. Im Mittelalter galt er als vielseitiges Mittel gegen Schlaflosigkeit, Epilepsie und Krämpfe. Im 16. Jahrhundert erwähnte Paracelsus die schlaffördernden Eigenschaften der Wurzel. Seit dem 18. Jahrhundert ist Baldrian in europäischen Pharmakopöen als pflanzliches Sedativum verankert.

Saison und Sammeln

Wildkraut

Diese Pflanze wächst wild und kann gesammelt werden. Bitte nur an sicheren, unbelasteten Standorten ernten.

Blütezeit: Juni, Juli, August

Erntezeit: September, Oktober

Evidenzlage

Gut belegt

Pflanzenbild

Echter Baldrian

© Ivar Leidus · CC BY-SA 4.0

Quellen

  1. EMA HMPC Assessment: Valerianae radix, European Medicines Agency [Link]
  2. EMA HMPC Assessment: Valerianae aetheroleum, European Medicines Agency [Link]

Sicherheitshinweise

Kann Tagesmüdigkeit verursachen; nicht mit Alkohol oder Schlafmitteln kombinieren; bei Kindern unter 12 Jahren ärztlichen Rat einholen.

SchwangerschaftUnbekannt
StillzeitUnbekannt
KinderVorsicht
BlutverdünnerUnbekannt
Vor OperationenUnbekannt
LebererkrankungUnbekannt
NierenerkrankungUnbekannt
AutoimmunerkrankungUnbekannt
BluthochdruckUnbekannt
Empfindlicher MagenUnbekannt

Haftungsausschluss: Diese Informationen ersetzen keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme immer Rücksprache halten.

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